Parodontitis

Parodontose

 

Die Parodontitis

(umgsprl. Parodontose)

 

Etwas „Beruhigendes“ vorweg

 

Wenn bei Ihnen eine Parodontose (Parodontitis) festgestellt wurde, sind Sie damit nicht allein, denn etwa jeder dritte Patient (bei den über 50-jährigen etwa jeder zweite), hat das gleiche Problem wie Sie. In einigen Fällen reicht zur Behandlung schon eine regelmäßige Professionelle Zahnreinigung aus.

 

Was kann ich selber schon prophylaktisch tun?

 

Äußere und innere Faktoren beeinflussen die Entstehung und Verbreitung von Parodontose (… und auch aller anderen Zahnerkrankungen) enorm.

 

Dabei ist es natürlich wichtig, daß Sie Ihr Immunsystem stärken indem Sie sich gesund ernähren, also wenig weißen Zucker, Alkohol und Nikotin zu sich nehmen.

 

Wenn Sie es nicht schaffen auf diese Sachen zu verzichten, dann achten Sie bitte darauf, sich nach jedem süßen Genuß die Zähne zu putzen. Benutzen Sie regelmäßig Zahnseide und trinken Sie vor dem Schlafengehen nur noch Wasser anstatt Saft. Schalten Sie Faktoren wie Stress und Ärger durch Sport und Spaziergänge aus.

 

Sorgen Sie für sich und werden Sie sich bewusst, daß schon ein wenig Änderungen in Ihrem Eßverhalten und ein bisschen Konsequenz, sich positiv auf die Gesunderhaltung Ihrer Zähne auswirkt.

 

Kommen Sie regelmäßig (zwei- bis dreimal pro Jahr) zur Professionellen Zahnreinigung und wir sorgen mit Ihnen dafür, daß eine Parodontitis erst gar nicht entsteht.

 

Ursachen einer Parodontitis

 

Eine Parodontitis entsteht durch eine Ansammlung von bakterieller Plaque (Zahnbelag) und Zahnstein.

 

Wenn dieser Belag längere Zeit im Mundraum, und hier besonders in den Zahnzwischenräumen, gewirkt hat, kommt es zu einer Zahnfleischentzündung zuerst am Zahnfleischrand. Wenn man den Belag nicht entfernt, bilden sich immer tiefer werdende Zahnfleischtaschen. In diesen vor der Zahnbürste sicheren Nischen vermehren sich die Bakterien immer mehr, so daß Zahnfleischblutungen (ein sicheres Entzündungszeichen!) entstehen und später durch die Stoffwechselprodukte der Bakterien auch der Knochen angegriffen und abgebaut wird. Die Folge ist, daß der Zahn lockerer im Knochen sitzt und schlimmstenfalls ausfällt.

 

Nehmen Sie bitte die Vorsorge ernst, denn wenn die Parodontose chronisch wird, sind die verantwortlichen Bakterien auch im Blutkreislauf nachzuweisen und werden verantwortlich gemacht für ein dann gesteigertes Risiko einer Herzerkrankung oder auch von Frühgeburten.

 

Diagnostik

 

Zuerst stellen wir in unserer Praxis fest, was Sie selber schon alles tun, um der Parodontitis vorzubeugen. Wir schauen uns Ihren Zahnfleischzustand und die Stellung der Zähne genau an und testen, wie locker sie sind. Wir stellen fest, wie groß die Plaquebesiedelung ist und wie stark die Blutungen sind.

 

Mit Hilfe einer Meßsonde wird die entstandene Zahnfleischtasche auf Tiefe und Entzündungsgrad hin untersucht. In der Regel rundet ein Röntgenbild die Diagnose des Zustands Ihres Kieferknochens ab.

 

Schmerzfreie und schonende Behandlung mit Ultraschall, Air-Flow und Küretten

 

Zahnfleischtaschen sind im ganz gesunden Zustand 1-2 mm tief tastbar und es blutet nicht aus ihnen heraus. Bei Taschentiefen bis 3,5 mm und leichten Blutungen genügt es in der Regel, die für die Entzündung verantwortlichen Beläge mittels Ultraschall, Salz-/Wasserstrahler (Air-Flow) und Polierpaste zu entfernen. Diese Reinigung ist schmerzfrei und muß nicht mit Betäubung erfolgen.

 

Sind die Taschen tiefer, erfolgt die Reinigung in einer ersten Sitzung erst oberflächlich wie bei den nicht so tiefen Taschen und ohne Betäubung. In einem zweiten Schritt werden die tieferen Bereiche mittels Ultraschall und Küretten (kleine, der Zahnform angepasst gebogene Instrumente, mit denen man an der Wurzeloberfläche entlangfährt und nur die Beläge davon wegkratzt) gereinigt. Hierfür ist eine örtliche Anästhesie notwendig, so daß auch diese Behandlung schmerzfrei ist. In der Regel erfolgt diese tiefe Reinigung an zwei aufeinander folgenden Tagen: einmal rechts oben und unten und dann links oben und unten. So bleibt jeweils eine Seite ohne Betäubung und „funktionstüchtig“.

 

Ziel der Behandlung ist es, das die Beläge als Auslöser der Entzündung verschwinden und sich das dann reizlose Zahnfleisch wieder eng um den Zahnhals legen kann und so die Tiefe der Zahnfleischtaschen reduziert wird.

 

Manchmal sind die Zahnfleischtaschen allerdings so tief, daß sie auch mit den Küretten nicht bis an den tiefsten Punkt hin erreichbar sind. Dann müssen kleine Schnitte am Zahnfleisch gemacht werden, um einen perfekten Zugang in die Tiefe zu ermöglichen. Wichtig für Sie: es wird kein Zahnfleisch weggeschnitten! Oberstes Ziel ist es, alles an Zahnfleisch zu erhalten. Die kleinen Schnitte werden vernäht und nach einer Woche werden die Fäden wieder entfernt.

 

Aufbau des stark angegriffenen Knochens und Regeneration des Gewebes

 

Ist der Knochen zu stark abgebaut und das Gewebe zu sehr entzündet, wird anhand von Knochenaufbaumaterial oder eines Schmelzmatrixproteins (Emdogain) versucht, den natürlichen Halt des Zahnes wieder zu gewährleisten.

 

Emdogain

 

EmdogainGel ist ein Produkt, das auf biologische Weise den aufgrund einer Parodontitis verlorengegangenen Zahnhalteapparat wiederherstellt. Der Hauptbestandteil von Emdogain ist Amelogenin. Dieses Protein hat eine wichtige Funktion bei der Entstehung der Zähne und ihrer Stützgewebe; es wird aber nur während der Zeit produziert, während der unsere Zähne entwickelt werden.


Ein natürlicher Zahnhalteapparat besteht aus Wurzelzement, winzigen Faserbündeln, die im Wurzelzement auf der einen und im Kieferknochen auf der anderen Seite inserieren, und schließlich dem Kieferknochen. Das ermöglicht es, Ihre eigenen Zähne zu behalten. Durch die Applikation von EmdogainGel auf die Wurzeloberfläche machen Sie Ihren Körper glauben, er bilde einen natürlichen Zahnhalteapparat. Der Prozess der Bildung eines natürlichen Zahnhalteapparats und Kieferknochens beginnt erneut, auf die gleiche Art wie als Ihr Zahn ursprünglich entwickelt wurde.


Emdogain kann auch mit guten Ergebnissen in der Rezessionsdeckung eingesetzt werden.

Bindegewebstransplantat (Zahnfleischtransplantat)

Es kommt häufig vor, dass sich an einigen Stellen das Zahnfleisch zurückbildet und die Wurzeln somit freiliegen. Das führt zu Karies an der Oberfläche der Zahnwurzel, zu einer übersensiblen Empfindlichkeit von "kalt oder warm" und nicht zuletzt zu ästhetischen Problemen.


In solchen Fällen führen wir eine kleine Operation durch, eine sogenannte Rezessionsdeckung, bei der wir dem Gaumen ein Stück Bindegewebe entnehmen. Anschließend wird dies als schützende Komponente über die freiliegende Wurzel des Zahns gelegt und bildet hier wieder normales Zahnfleisch.

 

Antibiotikum und antibakterielle Gels

 

In bestimmten Fällen empfehlen wir den Einsatz von Antibiotikum. Hilfreich hierbei ist auch die mikrobiologische Diagnostik (Bakterienbestimmung). Unterscheiden muss man hierbei zwischen Lokalantibiotikum, welches nur am Ort der Entzündung appliziert wird und die systemischen Antibiotika, welche im ganzen Körper wirken.


Lokalantibiotika, wir benutzen Atridox und Elyzol, werden mit einer stumpfen Kanüle in Gelform in die zuvor gründlich gereinigten Taschen eingebracht. Sie härten dort aus, geben ca. 14 Tage lang die keimtötende Substanz ab, um dann langsam kontrolliert resorbiert zu werden.


Systemische Antibiotika-Therapie wird bei schweren Fällen und bei Vorkommen bestimmter Bakterien eingesetzt.

Eine Parotontisbehandlung wird außerdem durch antibakteriell wirkende Mundspüllösungen oder Gels perfekt begleitet. Als sehr empfehlenswert benutzen wir die Methode, bei der das Desinfektionsmittel in Gelform in zuvor angefertigte Kunststoffschienen gegeben und eine Woche lang nach der Reinigung der Zahnfleischtaschen morgens und abends für jeweils fünf bis zehn Minuten im Mund behalten wird. Um die Schienen herzustellen, müssen Abdrücke Ihrer Zähne und daraus Gipsmodelle gefertigt werden. Diese Desinfektionsmethode kann dann später auch nach jeder Professionellen Zahnreinigung angewendet werden und garantiert so ein langfristig parodontitisfreies Gebiss.

 

Wichtig ist allerdings, nach einer erfolgten Parodontitisbehandlung alle vier, später alle sechs Monate zur Professionellen Zahnreinigung zu kommen, um dem Beginn einer erneuten Parodontitis (nämlich die oberflächlich in den Zahnfleischtaschen sitzenden Beläge) entgegen zu wirken.